Mein Verhältnis zu digitaler Kommunikation - Die Anfänge

24.09.2023

Tech PsychischeGesundheit

Lesedauer: 6 Minuten

Etwa im Jahr 1999 kam in unserem Haus die Zukunft an: Wir hatten ab dann einen Internetzugang, und ganz ungewöhnlich für die Zeit nicht via Modem, sondern via ISDN mit grandiosen 64kBit/s! Während die anderen noch mit ihren ranzigen 56k-Modems unterwegs waren, wurde bei uns die Datenautobahn bereits mit der Geschwindigkeit von morgen befahren!

… okay, so viel besser wars jetzt auch nicht, aber eine interessante Langzeitfolge davon ist, dass in mir die typischen Modemgeräusche keinerlei Nostalgie auslösen, weil ich sie nie zu hören bekommen habe.

Die Anfänge: E-Mail und ICQ (und etwas MSN)

Das erste digitale Kommunikationsmedium, das ich genutzt habe, war die gute alte E-Mail. Zuerst noch über das E-Mail-Postfach, das uns unser Provider zur Verfügung gestellt hat, bis ich mir dann meine erste E-Mail-Adresse zugelegt habe, die ich auch immer noch habe und nutze.

Etwas später kam dann, von Schulfreunden empfohlen, ICQ dazu. Und damit eine ganz neue Welt! Plötzlich konnte man einfach online gehen, und die Leute, die man in der Schule eh schon den ganzen Tag gesehen hat, waren auch online, und man konnte einfach miteinander chatten, stundenlang! Es war grandios. Auch wenn es mir an Nostalgie für Modemgeräusche fehlt, das “oh-OH” von ICQ wenn eine neue Nachricht ankommt, löst bei mir dafür massenhaft nostalgische Gefühle aus.

MSN war auch irgendwie mit dabei, weil einige Leute das hatten, aber daran kann ich mich kaum mehr erinnern. Nur eine Sache ist mir noch in Erinnerung, über MSN konnte man auch telefonieren, sogar mit Video, falls man eine Webcam hatte. In grauenhafter Qualität natürlich, aber es war trotzdem cool und irgendwie futuristisch, plötzlich war der Computer ein Bildtelefon!

Zu dieser Zeit waren Handys noch nicht so verbreitet, und als Schüler hatte ich sowieso kein Geld für eins und auch keinen Bedarf dafür, deswegen war Chatten/E-Mails schicken ausschließlich am heimischen PC, der in meinem Zimmer stand, möglich.

Das mobile Zeitalter: Handy und SMS

2003, mit 21, bin ich in die weite Welt hinausgezogen, sprich aus meinem Dorf raus in die Stadt, um zu studieren. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich und hatten die meisten meiner Freunde noch kein Mobiltelefon. Es gab einfach bis dato keinen Grund, mir eins zuzulegen.

Das änderte sich schnell an der Uni, wo man rasend schnell viele neue Leute kennen lernt und alle mit Handys rumlaufen und Nummern austauschen. Also hab ich mir auch eines zugelegt und war damit zum ersten Mal mobil erreichbar, sowohl telefonisch als auch via SMS.

Notiz am Rande, in der Anfangszeit konnte man auch via ICQ eine begrenzte Menge an SMS-Nachrichten verschicken (kostenlos!), was ich noch zu Schulzeiten auch einige Male genutzt habe, um mit Freunden, die schon ein Handy hatten, Dinge auszumachen.

Zur damaligen Zeit war mobil telefonieren aber noch recht teuer und auch jede SMS hat, wenn ich mich recht erinnere, 19 Cent gekostet, wenn nicht gar 39 Cent - üblicherweise gab es ein paar Frei-SMS vom Provider, und danach hieß es zahlen.

Dementsprechend hatte ich mein Handy zwar immer dabei, habe es aber (im Vergleich zu heute) recht wenig genutzt, ich kam vielleicht auf einige Dutzend SMS und eine Handvoll Anrufe im Monat. Hauptsächlich, um kurz mal Dinge mit Leuten auszumachen, aber nicht, um längere Gespräche zu führen.

Für ausführlichere Textkommunikation habe ich zu der Zeit immer noch ICQ, etwas später dann auch das Chat-Feature von Skype genutzt, und natürlich war E-Mail immer noch allgegenwärtig, um mit alten Freunden, die in anderen Städten studiert haben oder daheim geblieben sind, in Kontakt zu bleiben.

So hat sich meine digitale Kommunikation zwar langsam intensiviert, aber sie hat immer noch hauptsächlich am PC stattgefunden, der zwar jetzt ein Laptop war, aber (wie Laptops der 2000er halt so waren) groß und schwer und unhandlich war und deswegen meistens in meiner winzigen Studentenbude auf dem Schreibtisch stand.

Und so hat sich das durch meine gesamte Unizeit und bis in die 2010er gezogen. Laptop und Handy wurden zwar irgendwann durch modernere Exemplare ausgetauscht, aber mobiles Internet war in den 2000ern in Deutschland sündhaft teuer, SMS und Telefonanrufe waren auch nicht gerade günstig, also bin ich bei dem geblieben, was ich kannte: ICQ, Skype, E-Mails von zu Hause aus, SMS und kurze Anrufe vom Handy unterwegs.

Zwischenspiel: StudiVZ und Facebook

Irgendwann 2006 kam “StudiVZ” auf den Plan, ein deutscher 1:1 Klon von Facebook (die dann auch von Facebook dafür verklagt wurden).

Und wir sind alle komplett durchgedreht. Das war das erste “richtige” soziale Netzwerk, das auf meinem Radar aufgetaucht ist, und auch das erste (und einzige) wirklich benutzbare, weil für eine kurze Zeit quasi jeder, den ich kannte, dort angemeldet war.

StudiVZ ging dann aber relativ schnell den Bach runter, auch wegen der Klage von Facebook, und Facebook hat auch in Deutschland die Marktherrschaft übernommen. Auch da habe ich mir einen Account angelegt, bin aber nie wirklich richtig damit warm geworden, und spätestens als sie auf algorithmisch sortierte Feeds umgestellt haben, war ich auch wieder weg.

Und schon bei StudiVZ und erst recht bei Facebook hatte ich mehr und mehr Bedenken bezüglich Datenschutz und was ich da eigentlich alles über mich preisgebe und in wessen Händen die Informationen landen. Deswegen habe ich schon damals darauf geachtet, möglichst nicht mehr ganzes Leben inklusive aller Fotos online zu teilen.

Und dann kamen Smartphones und es veränderte sich alles. Aber darüber reden wir dann im nächsten Teil.

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