Bücher, die ich im September 2023 gelesen habe

01.10.2023

Lesen Buchclub 100DaysToOffload

Lesedauer: 12 Minuten

September war kein so guter Lesemonat bei mir. Der Monat hat gleich mal mit einer Woche krank sein begonnen, in der ich zu nichts zu gebrauchen war, und auch sonst ist es mir schwer gefallen, mich aufs Lesen zu konzentrieren. Trotzdem hab ich drei Bücher (teilweise) gelesen, die ich hier kurz mal zusammenfasse.

Art Spiegelman: Maus (Graphic Novel)

Ganz ungewöhnlich für mich, ist das hier kein Buch in der Art, wie ich sie gewöhnlich lese, sondern eine Graphic Novel (das Wörterbuch schlägt die Begriffe Comicroman oder Bilderroman vor, aber irgendwie klingt das seltsam).

Die Idee, dieses Buch zu lesen, kam durch einen Blogeintrag von Mike Grindle zustande, der sich, selbst inspiriert durch ein Interview mit Neil Gaiman, darüber ausgelassen hat, dass in gewissen Kreisen in den USA das Verbannen von unerwünschten Büchern aus Schulen immer mehr um sich zu greifen scheint. Und wenig überraschend trifft es oft Bücher, in denen der Holocaust angeprangert wird, wie eben Maus oder auch das Tagebuch von Anne Frank - immer unter dem Vorwand natürlich, das Wohl unserer Kinder schützen zu müssen. Man kann den armen Kindern solche Grausamkeiten ja nicht zumuten, und außerdem wird in dem Buch auch noch angedeutet, dass Frauen einen Körper besitzen, ganz schlimm sowas, das muss aus den Schulen raus.

Ich würde ja an dieser Stelle gern über die bigotten Amis mit ihren kaputten Moralvorstellungen lachen, aber nachdem solche Ideen auch gerne mal zu uns rüberschwappen und auch bei uns oft genug irgendwelche restriktiven Gesetze damit begründet werden, dass man ja die Kinder schützen müsse, spare ich mir diese Überheblichkeit hier lieber.

Zurück zum Buch, der Autor Art Spiegelman ist der Sohn zweier polnischer Juden, Vladek und Anja, die den Holocaust überlebt haben und nach dem Krieg in Europa in die USA ausgewandert sind. Er selbst wurde erst nach dem Krieg geboren, seine Mutter beging Suizid als er ein junger Mann war und mit seinem Vater verstand er sich nur so leidlich. Er wollte aber unbedingt die Lebensgeschichte des Vaters erfahren und in Form eines Comics festhalten, und deswegen besuchte er ihn (lang nach dem Tod der Mutter) immer wieder, fragte ihn über sein Leben aus und hielt die Gespräche auf Tonband fest.

Aus diesen Gesprächsaufzeichnungen entstand dann der Comic. Der Titel des Comics rührt daher, dass er die verschiedenen Nationalitäten oder Völker als Tiere zeichnet. Juden werden als Mäuse dargestellt, die Deutschen passenderweise als Katzen (in einer frühen Version waren die Mäuse auch noch viel kleiner als die Katzen, um ihre Unterlegenheit noch deutlicher zu machen, in der Endfassung haben sie die gleiche Größe). Auch andere Nationalitäten werden als Tiere dargestellt, so sind die Franzosen Frösche und die Polen Schweine (und ich hab mich die ganze Zeit gefragt, ob da eine Aussage dahinter steckt oder nicht, denn auch die meisten Polen im Roman behandeln die Juden schlecht).

Der Comic läuft durchgehend auf zwei Ebenen ab, die Rahmenhandlung beschreibt wie der Autor, Art, mit seinem Vater interagiert und ihm nach und nach seine Geschichte entlockt, die zweite Ebene spielt in der Vergangenheit und ist die eigentliche Geschichte, die der Vater erzählt.

Und ich kann nur sagen, das Buch ist brillant und hat sämtliche Preise, die es gewonnen hat, mehr als verdient.

Schon die Rahmenhandlung ist faszinierend, weil sie einen guten Einblick in Arts Verhältnis zu seinem Vater Vladek gibt, der nicht die einfachste Person ist (an einer Stelle sinniert Art darüber, dass er seinen Vater realistisch darstellen will, dass der Vater aber damit exakt dem Klischee vom geizigen alten Juden entspricht). Und man fragt sich immer wieder, ob der Vater schon immer so war, oder ob er erst durch die Erfahrungen während des Krieges so wurde, wie er ist.

Aber natürlich ist der Sprung in die Vergangenheit das, was das Buch wirklich ausmacht. Man erfährt (immer aus Vladeks Sicht natürlich) wie die Situation in Polen vor Beginn des Krieges war, wie sich die Zustände nach dem deutschen Angriff auf Polen Schritt für Schritt verschlechtert haben, wie sich langsam Gerüchte über Deportationen und Konzentrationslager verbreitet haben, die aber von den Leuten oft nicht ernst genommen wurden, weil es einfach nicht vorstellbar war, dass sowas passiert. Wie Vladek und Anja ihren Sohn weggeben mussten, um ihn in Sicherheit zu bringen, und der den Krieg trotzdem nicht überlebt hat. Und wie Vladek und Anja letztendlich von den Deutschen deportiert und in Züge Richtung Auschwitz verfrachtet wurden, wo sie getrennt wurden und jeder für sich im Angesicht des blanken Horrors in den Lagern ums Überleben kämpfen musste.

Und egal wie viele Erfahrungsberichte man über den Holocaust gelesen und wie viele Filme man darüber gesehen hat, es ist immer wieder zutiefst erschütternd von solchen Einzelschicksalen zu lesen und zu hören. Eine bis 1,5 Millionen Todesopfer allein in Auschwitz klingt drastisch, ist aber auch eine Zahl, die man sich gar nicht richtig vorstellen kann. Den Erfahrungsbericht einer einzelnen Person zu lesen gibt dem Ganzen ein Gewicht und eine Realität, die die nackten Zahlen nie hergeben können. Und das Medium Comic eignet sich dafür tatsächlich gut, weil Art nicht nur die Worte wiedergibt, die ihm Vladek diktiert, sondern das ganze auch in teils drastische und bedrückende Schwarzweiß-Bilder packt.

Klare Leseempfehlung, und schon jetzt ein Anwärter für das beste Buch des Jahres für mich. Und Schande über die Leute, die den Zugang dazu aus wie auch immer gearteten verqueren ideologischen Gründen einschränken wollen. Wir lehren die Geschichte des Holocaust nicht, um unsere Kinder zu traumatisieren oder um uns Deutschen eine ewige kollektive Schuld anzulasten, wie das einige rechte Betonköpfe hierzulande immer wieder behaupten, sondern um die Ereignisse nicht zu vergessen. Um uns daran zu erinnern, zu welchen Gräueltaten Menschen fähig sind und als Ermahnung dass es unser aller Aufgabe ist zu verhindern, dass so etwas jemals wieder geschieht.

Stephen Baxter: Voyage

Voyage, deutscher Titel “Mission Ares” ist ein Science-Fiction Roman der Kategorie “was wäre wenn”. In diesem Fall, was wäre wenn die USA nach den Apollo-Mondlandungen nicht auf das Space Shuttle-Programm gesetzt hätten, sondern als nächstes Ziel den Mars anvisiert und eine bemannte Mission zum Mars auf die Wege gebracht hätten.

Klingt spannend? Dachte ich auch. Fand ich dann aber nicht.

Das Buch hat etwa 900 Seiten (in der deutschen Übersetzung), und ich hab mich wirklich bemüht dranzubleiben, bin aber etwa bei Seite 400 gescheitert und hab es zur Seite gelegt.

Ich will Stephen Baxter zu Gute halten, dass er wirklich gründlich recherchiert und sich in die Thematik eingearbeitet hat, und er sagt auch selbst im Vorwort dass es sein Anspruch war, möglichst nahe an der Realität zu bleiben und die Marsmission und den Weg dorthin so realistisch wie möglich zu beschreiben. Das ist ihm, so weit ich das Buch gelesen habe, auch gelungen. Nur: Ich fand es wahnsinnig langweilig.

Die Figuren wirken klischeehaft und nicht wirklich greifbar, eher wie irgendwelche Standard-Archetypen als wie richtige Menschen, und die Situationen und Ereignisse sind zwar realitätsnah und hätten auch wirklich so passieren können, aber sie sind halt leider nicht spannend. Ich glaube ich hab zwei Wochen lang an dem Buch gelesen, aber mehr als ein Dutzend oder so Seiten auf einmal hab ich nie geschafft, weil mich das Buch einfach nicht gepackt hat.

Und statt noch mehr Zeit rein zu versenken hab ich mich dann entschieden, es beiseite zu legen. Vielleicht wird die zweite Hälfte besser und spannender, aber die erste Hälfte hat mich überhaupt nicht fesseln können, deswegen werde ich es nicht erfahren.

David Allen: Getting Things Done

Ich glaube über Getting Things Done (Deutsch: Wie ich die Dinge geregelt kriege) kann ich nicht mehr viel schreiben, was nicht schon tausendfach irgendwo anders geschrieben oder in zahllosen Youtube-Videos beschrieben wurde.

Mittlerweile ist das Buch ein Klassiker der Produktivitätsliteratur, und das nicht ganz zu Unrecht, aber auch (für mich) mit einem gewaltigen Haken dran: Es ist komplex. Schon allein sich durch die über 300 Seiten zu graben braucht seine Zeit, und die Inhalte wirklich zu erfassen (geschweige denn wirklich umzusetzen!) brauch nochmal deutlich länger.

Ich hab das Buch hauptsächlich gelesen, weil ich es noch nicht kannte und weil ich wissen wollte, worum es jetzt wirklich genau geht, bisher kannte ich nur die erwähnten Artikel und Videos drüber, aber es ist doch nochmal was anderes, das Buch selbst zu lesen.

Die Grundidee ist, alles was Planung oder irgendwelche Aktionen erfordert aus unserem Kopf zu bekommen und in ein System zu übertragen, dem wir vertrauen und von dem wir wissen, dass dort nichts verloren geht und dass wir zur richtigen Zeit wieder an Dinge erinnert werden, an die wir uns erinnern wollen, ohne dass sie uns ständig im Hinterkopf brennen und dort Energie fressen und Stress verursachen. Und ich muss sagen, ja, es wirkt wie ein durchdachtes und vollständiges System, um seine Arbeit und sein Leben zu organisieren und in den Griff zu bekommen, wie es der Titel verspricht. Aber nein, ich werde es nicht umsetzen.

Zumindest nicht in seiner vollen Form, denn dafür ist es mir einfach zu komplex und einige Dinge hab ich vermutlich auch nicht richtig verstanden, dafür müsste ich das Buch nochmal lesen.

Was ich aber für mich aus dem Buch mitnehme und auch versuchen werde umzusetzen:

  • In den Kalender kommen nur Dinge, die an genau diesem Tag erledigt werden müssen. Nutzt man den Kalender auch als eine Art Todo-Liste, verwässert man ihn
  • Für jedes Projekt (bei David Allen ist fast alles ein Projekt) muss klar definiert sein, was der ganz konkrete nächste durchzuführende Schritt ist. Man muss nicht das gesamte Projekt Schritt für Schritt durchplanen, aber der nächste konkrete Schritt muss klar und deutlich beschrieben sein
  • Ich brauche ein Ablagesystem für digitale Inhalte. PDFs, Links, Webseiten etc… Ich versuche zu oft, mir irgendwelche Dinge zu merken oder wenn ich was speichere, speichere ich es irgendwohin, wo es mir grad einfällt, und das stresst mich.
  • Ich brauche ein System zur Wiedervorlage, d.h. für Dinge, bei denen ich auf jemand anderes’ Input warten muss oder die ich erst später erledigen kann, brauche ich ein System, das mich zum richtigen Zeitpunkt dran erinnert und dem ich vertrauen kann
  • Ich sollte mir einige “Inboxen” zulegen, die ich täglich abarbeite und die Inhalte an entsprechenden Stellen ablege. Z.B. eine Inbox am PC, eine auf dem Schreibtisch, eine auf dem Handy für unterwegs…
  • Ich muss täglich etwas Zeit fürs Leeren der Inboxen einplanen. Wöchentliche Reviews versuche ich aktuell, scheitere aber daran, vielleicht ist tägliches Leeren besser

Fazit: Für mich persönlich denke ich das System hat einige interessante Ansätze, aber es ist mir im Großen und Ganzen zu komplex. Dennoch war es gut, das Buch mal gelesen zu haben, um einen Überblick zu bekommen.

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