Bücher, die ich im Oktober 2023 gelesen habe

06.11.2023

Lesen Buchclub 100DaysToOffload

Lesedauer: 6 Minuten

Im Oktober waren zwei Sachbücher bei mir an der Reihe, von denen ich erst kürzlich gehört hatte, die ich aber beide unbedingt lesen wollte, und zur Entspannung ein Roman, der dann doch nicht so entspannend war wie erhofft. Aber der Reihe nach.

Joseph Menn: Cult of the Dead Cow

Cult of the Dead Cow ist ein lose organisiertes Hackerkollektiv ursprünglich aus Texas, das schon seit den späten 70ern besteht und immer noch aktiv ist.

Mir hat der Name bis vor kurzem nichts gesagt, aber sie kamen über die Entwicklung von Veilid, einem verschlüsselten P2P Netzwerk, letztens in die Nachrichten, also wollte ich wissen, um wen und was es sich handelt.

Das Buch rollt die Geschichte des Kollektivs von seinen Anfängen bis in die Gegenwart auf. Begonnen haben sie, wie so viele Hacker aus dieser Zeit, als Jugendliche, die das amerikanische Telefonsystem überlistet haben und damit kostenlos telefonieren oder auf BBS-Systeme zugreifen konnten.

Geschichten aus der Anfangszeit der Computer und des Hackens zu lesen finde ich immer spannend, sie sind für mich aber auch hauptsächlich historische Erzählungen, da ich zu jung bin, um das alles selbst mitgemacht zu haben.

Wirklich interessant wurde das Buch für mich deswegen in der zweiten Hälfte, zeitlich ab den späten 90ern, also ab der Zeit, an die ich mich auch erinnern kann und zu der ich selbst im Internet aktiv war. Da kamen dann Ereignisse und Namen vor, die ich auch schon gehört habe und an die ich mich erinnern kann, George W. Bush als US-Präsident, 9/11, Wikileaks, Assange, Snowden, das Drama um Jacob Applebaum.

Insgesamt spannend und kurzweilig zu lesen, wenn man sich für Untergrund-Hackerkultur interessiert.

Chris Voss: Never split the Difference

Chris Voss war jahrelang Verhandlungsführer beim FBI bei Geiselnahmen und Entführungen. Der Typ, der geschickt wurde wenn Al-Quaida oder irgendwelche anderen Fundamentalisten US-Amerikaner entführt und gedroht haben, sie zu enthaupten, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden.

In dem Buch fasst er sein Wissen zusammen und stellt seine Methode vor, um in Verhandlungen einen kühlen Kopf zu bewahren und für sich das beste aus der Verhandlung rauszuholen (im Fall von Geiselnahmen natürlich die Freilassung der Geisel bei möglichst geringer oder gar keiner Lösegeldzahlung).

Kern seiner Methodik ist, was er “taktische Empathie” nennt, was letztendlich einfach nur Empathie ist… sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und verstehen, was denjenigen antreibt. Denn erst wenn man die Motivation seines Verhandlungspartners verstanden hat und erkannt hat, worum es demjenigen wirklich geht, kann man erfolgreich verhandeln.

Der Titel “Never split the Difference” (keine Kompromisse eingehen) klingt erstmal krass, ergibt aber auch Sinn, da ein Kompromiss seiner Definition nach etwas ist, womit beide Seiten unzufrieden sind, während das Ergebnis einer erfolgreichen Verhandlung sein sollte, dass beide Seiten mit dem Ergebnis zufrieden sind und keiner das Gefühl hat, übervorteilt zu werden oder sich zu Dingen hat plattschlagen lassen, die er eigentlich gar nicht tun wollte.

Sehr gutes Buch und im Gegensatz zu vielen anderen Sachbüchern und erst recht “Ratgebern” auch wirklich mit viel Information ausgestattet.

Thomas Harris: Roter Drache (Red Dragon)

Thomas Harris ist der Autor der Romanvorlage für “Das Schweigen der Lämmer” und “Hannibal”, die ich beide vor vielen Jahren gelesen und auch die Filme dazu gesehen hab.

Das Schweigen der Lämmer war fantastisch, sowohl das Buch als auch der Film, Hannibal fand ich beides eher enttäuschend, und von Roter Drache gabs nach Hannibal auch eine Verfilmung (Neuverfilmung genauer gesagt, weil der Film schon früher als “Manhunter” verfilmt wurde), die ich glaub ich damals sogar im Kino gesehen habe, aber von der mir eigentlich nur in Erinnerung ist, dass Anthony Hopkins deutlich älter aussieht als in Schweigen der Lämmer, obwohl die Geschichte davor spielt.

Das Buch “Roter Drache” hatte ich aber nie gelesen, also war es jetzt an der Zeit, das nachzuholen. Nach den ganzen Sachbüchern in letzter Zeit hatte ich Lust, mal wieder einen Roman zur Entspannung zu lesen.

Entspannend wars dann aber nicht, weil die Geschichte extrem spannend und atmosphärisch beklemmend ist, so sehr, dass ich die zweite Hälfte des Buches außerhalb meiner normalen Lesenszeit (abends im Bett) lesen musste, weil ich es immer nicht weglegen konnte und dementsprechend mein Schlaf drunter gelitten hat.

Ein psychopathischer Mörder treibt sein Unwesen, der ganze Familien auslöscht und auf den Opfern sein Markenzeichen, einen Gebissabdruck hinterlässt, weshalb er von den Medien “Tooth Fairy” genannt wird, was im Deutschen die katastrophale Übersetzung “Zahnschwuchtel” bekommen hat. “Zahnfee” wäre wohl zu einfach gewesen…

Jedenfalls wird FBI-Ermittler Will Graham auf den Fall angesetzt, der auch schon (vor den Ereignissen im Buch) Hannibal Lecter das Handwerk gelegt hat, was ihn fast das Leben gekostet hätte und weswegen er sich eigentlich mit seiner Familie zur Ruhe gesetzt hatte. Da er aber die Fähigkeit besitzt, sich in Psychopathen hineinzuversetzen und ihre Motive zu verstehen wird er von FBI-Agent Jack Crawford reaktiviert. Also beginnt er, sich in den Fall zu vertiefen und merkt bald, dass er die Hilfe von Dr. Lecter benötigt, um ihm auf die Schliche zu kommen…

Mir fielen an dem Buch die deutlichen Parallelen zu “Schweigen der Lämmer” auf, das einige Jahre später erschienen ist. In beiden Büchern treibt ein psychopathischer Killer sein Unwesen, dem das FBI unter enormem Zeitdruck das Handwerk legen muss, bevor er erneut zuschlägt, weswegen der inhaftierte Dr. Lecter, zu gleichen Teilen Psychopath und brillanter Analytiker, um Hilfe ersucht wird.

Trotzdem sind die Geschichten und die Figuren unterschiedlich genug, um für sich zu stehen. Will Graham und die Zahnfee sind spannende Gegenspieler, auch wenn das Buch für meinen Geschmack im zweiten Teil etwas zu viel Zeit mit dem Killer verbringt.

Post 012/100 der 100DaysToOffload-Challenge